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MEDIENMUSIKEN
Im Zusammenhang mit dem 100. Release des Elektroniklabels MILLE PLATEAUX (Frankfurt/M.) ist das Buchprojekt MedienMusiken geplant, in dem zentrale Aspekte zeitgenössischer elektronischer und digitaler Musik diskutiert werden sollen.
In den letzten Jahren sind diese Musikstile an den Rändern von Techno, Neuer Musik und Kunstmusik entstanden.Das Buch ist als Sammelband geplant und enthält Beiträge renomierter Autoren aus den Disziplinen Musikwissenschaft, Medientheorie, Soziologie, Philosophie, Informatik und Kunstwissenschaft. Dem Buch soll eine CD mit Kompositionen der Künstler von MILLE PLATEAUX beigefügt werden, die Themen des Buches aufgreifen und musikalisieren.
Digitale Musiken produzieren eigene Realitäten, sie prozessieren Selbstreferenz in einem redundanten Zeitnetz. Ihre a-zentrische Struktur wird durch instabile,verschwindende Ereignisse erzeugt. Musik konstituiert sich durch Differenz, sie ist ein Beispiel der Derridaschen differance , des zeitlichen Aufschubs.Will ein Diskurs, eine theoretische Reflexion über Musik, die Form und Bewegung der Musik nicht verfehlen, muss er musikalisch sein, d.h. sich der Form der Musik annähern.Er muss die Form dessen haben, worüber er spricht. Der Essay scheint dieser Form nahezukommen. Entsprechend gehen die einzelnen Beiträge dieses Bandes von Differenzkonzepten aus : der Systemtheorie Luhmanns, der Distinktionstheorie von Jokisch,der Differenzkonzepte bei Deleuze und Derrida.
Musik ist heute in der Form des binären Codes digitalisiert, sie ist mit Computersystem konnotiert , eingeschrieben in die Epochalität des Technischen und muss im Kontext eines techno-ästhetischen Begriffs beschrieben werden, dem die elktronischen Medien alles andere als äusserlich sind. Digitale Musik finden wir heute in virtuellen Räumen, in denen die Einheit des Werkes, die melodisch- harmonischen Grundlagen des tonalen Systems und klassische Instrumentenlehre ausser Kraft gesetzt werden.Sie wird vielmehr von Faktoren wie z.B. Programmierern, Software , Hardware und Interaktivität bestimmt. Sie ist MedienMusik.
In der Vielzahl von Veröffentlichungen zu den Themen Neue Medien und Medientechnologien wurde das Feld des Musikalischen bisher fast vollständig ausgespart.Diese Lücke soll durch den projektierten Band MedienMusiken geschlossen werden.Die einzelnen Beiträge thematisieren unter anderem Musik im Internet,Netzwerkmusiken,Laptopmusiken,Produzieren in Echtzeit, Design , psychoakustische Kopplungen.
Das Erkenntnisinteresse des projektierten Bandes ist auf vier Aspekte konzentriert:
1) öffnung eines Raumes, in dem zentrale Phänomene elektronischer und digitaler Musik nach transdisziplinären Kriterien diskutiert werden
2) Die Grenzen zu anderen Disziplinen explorieren, mit denen Musik und Diskurse über Musik verbunden sind
3) Die innere Heterogenität der Musik und der Diskurse über Musik herausarbeiten
4) Die Dynamik dieser Heterogenität freilegen und mögliche Anschlüsse an das theoretische und praktische Potential dieser konstitutiven Heterogenität von Musik und Musiktheorien zu formulieren.
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